Alexa Skills

Veröffentlicht am 18. August 2017 | von Eckhard Schneider

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ELTERN Schwangerschaftsguide

ELTERN Schwangerschaftsguide Eckhard Schneider

Detailbewertung

Leistungsumfang
Kundennutzen
Usability
Businessnutzen
KI-Faktor
Aufwand

Gesamtwertung: Halbherzig umgesetzter Alexa-Skill, der das Potential einer tollen Print-Marke verschenkt.

1.5

Naja...


ELTERN begleitet Schwangere 40 Wochen lang (puh!)

Der Schwangerschaftsguide ist einer von drei Alexa-Skills, die das Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr im Herbst 2016 zum Deutschland-Start des Amazon Echo auf den Markt gebracht hat. Leider handelt es sich dabei um eine schlecht passende Content-Zweitverwertung, die an die Anfänge des World Wide Webs erinnert, als Verlage Druckwerke einscannten, um sie „ins Internet hochzuladen“.

Leistungsumfang

Der Skill hält für jede der 40 Schwangerschaftswochen einen Text zu den drei Aspekten Baby, Körper und Partner bereit. Beim Start des Skills fragt Alexa das Datum der letzten Periode und die Zyklusdauer ab um die Schwangerschaftswoche zu bestimmen,  man kann aber die Woche auch direkt auswählen indem man zum Beispiel „Woche 20“ sagt. Anschließend wird um Auswahl des Bereichs Baby, Körper oder Partner gebeten, woraufhin der Skill einen Text vorliest. Das war es dann auch schon, alle anderen Anfragen werden ignoriert beziehungsweise nicht verstanden.

Für die Umsetzung wurde der ELTERN Schwangerschaftskalender von der Magazin-Website wiederverwendet und sowohl Funktionsweise als auch Inhalt unverändert übernommen.

Kundennutzen

Wir bewerten den Kundennutzen mit nur einem von fünf Punkten – und das nicht etwa, weil der Content der ELTERN-Redaktion nicht gut wäre, sondern weil die Aufbereitung die Eigenschaften des Kanals „Voice-Interface“ völlig ignoriert. Es ist nicht möglich, durch Fragen spezifische Informationen – etwa zur Ernährung – in den einzelnen Schwangerschaftswochen zu erhalten. Mama und Papa müssten also regelmäßig den Skill starten und sich die vergleichsweise langen Texte vorlesen lassen. Dieses Format wäre in einem wöchentlichen Newsletter besser aufgehoben. Es gäbe deutlich besser geeignete Inhalte aus dem Archiv der Redaktion für diesen neuen Kanal.

Usability

Leider werden die konzeptionellen Mängel durch Schwächen im Programmcode noch verschlimmert: Es gelang erst nach mehreren Anläufen, das Datum der letzten Periode so anzugeben, dass der Skill es verstehen konnte (Tipp: Jahreszahl weglassen). Das könnte aber auch auf Schwächen in der Spracherkennung von Alexa bei Datumsangaben zurückzuführen sein. Viel ärgerlicher ist jedoch, dass der Schwangerschaftsguide zwar behauptet, sich die Schwangerschaftswoche der Anwenderin zu merken, dies aber nicht tut, und bei jedem Start erneut nach dem Datum fragt. Wer die Disziplin aufbringt, Woche für Woche den Skill zu starten, wird dadurch vermutlich endgültig abgeschreckt.

Businessnutzen

Vermutlich war ein Ziel bei der Veröffentlichung des Skills, zum Deutschland-Start in irgendeiner Form mit dabei zu sein – was zwar gelungen ist, allerdings auf Kosten des Nutzwertes. Laut Pressmitteilung möchte Gruner + Jahr mit dem Launch des ELTERN-Skills testen, „wie sich die Reichweite [der Marken ELTERN] auf die Zukunftsmärkte Smart Home und Internet of Things ausweiten lässt“. Wir halten die Umsetzung dieses Skills jedoch für kaum geeignet, diesen Test durchzuführen, denn ein schlappes Ergebnis würde angesichts der oben beschriebenen Mängel keineswegs bedeuten, dass das Medium ELTERN in diesen Zukunftsmärkten nicht funktionieren wird.

KI-Faktor

Laut unserer Testkriterien vergeben wir eine KI-Lampe, wenn der Alexa-Skill einfache Kommandos versteht, was hier der Fall ist (wenn auch nur eingeschränkt).

Aufwand

Der Schwangerschaftsguide basiert auf unverändert übernommenen Texten, die Zahl der verfügbaren Kommandos (der sogenannten „Intents“) und der damit verbundene Funktionsumfang ist sehr gering. Der Aufwand in der Umsetzung war nicht hoch, deshalb einer von drei möglichen Punkten.

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Über den Autor

Ursprünglich wollte Eckhard als Physiker technische Fachtexte schreiben. Doch 1995 entwickelte er seine erste Website und blieb dabei. Zunächst als Softwareentwickler, IT-Projekt­manager und -Berater, später als CTO einer internationalen Digital­agentur. Seine Spezial­gebiete sind die Durch­führung von Anforderungs­analysen und die Auswahl von Software­lösungen sowie Out­sourcing-Projekte. Als Mitgründer von AppliedSmartness entwickelte er ein Framework für Chatbots und Alexa Skills.



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