Chatbots

Veröffentlicht am 15. August 2017 | von Eckhard Schneider

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Maggi Kochstudio Kim

Kitchen Intelligence by Maggi – so heißt der Chatbot des Tütensuppen-Unternehmens.

Mit Kim hat Maggi einen durchaus ansprechenden Bot auf der Plattform Facebook Messenger vorgelegt. Das zum Nestlé-Konzern gehörende Unternehmen positioniert Kim als Teil des Maggi-Kochstudios, auf dessen Bestand von 3000 Kochrezepten der Bot Zugriff hat. Nach eigenen Angaben war die Grundlage des Projektes der erste Platz einer Nestlé-internen Innovationsausschreibung.

Leistungsumfang

Kim schlägt passende Gerichte aus der Rezeptedatenbank des Maggi-Kochstudios vor und berücksichtigt dabei Vorlieben des Benutzers, etwa zu vegetarischem oder laktosefreiem Essen. Diese Vorlieben werden gespeichert und auch in späteren Sitzungen berücksichtigt. Durch natürliche Sprache können Rezepte gesucht werden, wobei die üblichen Varianten möglich sind, die man von zeitgemäßen Küchen-Apps erwartet:

  • Suche nach einem Gericht mit dessen Namen („ich möchte creme brulee machen“)
  • Rezeptsuche nach vorhandenen Zutaten („was kann ich mit spitzkohl kochen?“)
  • Hilfe bei Koch-Basics („wie lange muss man ein steak braten“)

Eine Trefferliste wird dann mit Bildern angeboten, und die Zutaten und die Beschreibung können separat ausgewählt und angezeigt werden. Durch eine Kooperation mit Rewe.de können die Zutaten gleich online bestellt werden (das klappte im Test sehr gut, auch wenn der Rewe-Shop unter „Kerbel“ ein Plüsch-Wildschwein anstelle eines Gartenkrautes verstand).

Kundennutzen

Im Vergleich mit der Rezeptsuche auf der Website des Maggi Kochstudios schneidet der Chatbot gut ab – das Filtern nach den oben genannten Vorlieben klappt im Bot einfacher als in der Rezeptsuche über die mobile Website.

Getrübt wird der ansonsten gute Eindruck durch das völlige Ignorieren der im Kochstudio vorhandenen Rezeptbewertungen, auch wenn der Umsetzungsaufwand dafür vermutlich vergleichsweise gering gewesen wäre – weder werden gut bewertete Rezepte in der Suche bevorzugt, noch wird die Bewertung im Ergebnis angezeigt.

Was wir uns für kommende Ausbaustufen wünschen würden, wäre noch mehr Komfort bei Fragen zu den Zutaten. Das würde den Chatbot zu einem echten Assistenten machen. Das betrifft einerseits die Verwendung von Synonymen („Spitzkohl und Kabeljau“ findet ein Rezept, „Spitzkohl und Fisch“ leider nicht), andererseits die Angabe von alternativen Zutaten (Kann man anstelle von Nestlé LC1 auch Joghurt verwenden?).

Usability

Bei der Umsetzung des Chatbots hat man offensichtlich Sorgfalt walten lassen und Best Practices für die Erstellung von Conversational Interfaces berücksichtigt. Kim schaltet nicht auf stur wenn der Benutzer küchenfremde Themen anspricht, sondern reagiert auf die meisten Smalltalk-Themen (Beschimpfungen, Fragen zum Beziehungsstatus oder dem Aussehen etc.) mit einer moderat humorvollen Antwort oder mit einem Bild. Wenn Eingaben nicht verstanden werden, so regt Kim an, die Frage umzuformulieren oder gibt Tipps, was eine passende Frage sein könnte.

Kim hat im Gegensatz zu den meisten Chatbots auf dem Markt eine gewisse Dialogfähigkeit, er kann bei Nachfragen wie „welches davon ist vegetarisch?“ oder „welches davon hat die wenigsten Kalorien“ erkennen, worauf sich die Frage bezieht und eine sinnvolle Antwort produzieren.

Businessnutzen

Das Maggi Kochstudio hat ein veritables Imageproblem, das über Google Trends besonders plastisch wird: seit 2004 ist die Zahl der Google-Suchen im Sinkflug und liegt bei einem Fünftel der ehemaligen Werte. In einer neuen Kampagne wird das oft als verschnarcht geschmähte Kochstudio nun aufpoliert, weg von Maggi-Fix für Chinapfanne, hin zu Foodblogging und eben auch einem Chatbot. Diese Initiative geht sicher in die richtige Richtung, wir halten den Businessnutzen deshalb für hoch.

KI-Faktor

Wir vergeben für den KI-Faktor 2 Glühbirnen: es wird künstliche Intelligenz im Rahmen des User-Interfaces eingesetzt, die Generierung der Antworten (Rezeptvorschläge) erfolgt aber klassisch durch Abfragen einer Datenbank.

Aufwand

Nach unseren Bewertungskriterien ist Kim ein Chatbot-Frontend für einen bestehenden Dienst, nämlich die Rezepte-Datenbank des Kochstudios. Trotz des offensichtlich signifikanten Aufwands beim Trainieren des Modells für die Spracherkennung („NLP“ – Natural Language Processing) also 2 von 3 Euronen.

Maggi Kochstudio Kim Eckhard Schneider

Detailbewertung

Leistungsumfang
Kundennutzen
Usability
Businessnutzen
KI-Faktor
Aufwand

Gesamtwertung: Der Kim-Chatbot ist durchgehend ansprechend umgesetzt und hilft dem Maggi-Kochstudio, sein Tütensuppen-Image loszuwerden.

4.3

Gut gelungen


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Über den Autor

Ursprünglich wollte Eckhard als Physiker technische Fachtexte schreiben. Doch 1995 entwickelte er seine erste Website und blieb dabei. Zunächst als Softwareentwickler, IT-Projekt­manager und -Berater, später als CTO einer internationalen Digital­agentur. Seine Spezial­gebiete sind die Durch­führung von Anforderungs­analysen und die Auswahl von Software­lösungen sowie Out­sourcing-Projekte. Als Mitgründer von AppliedSmartness entwickelte er ein Framework für Chatbots und Alexa Skills.



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